Gastbeitrag: Corona & digitales Fasten. Ist das Soziale-Medien-Dilemma eine Illusion?

Gastbeitrag: Corona & digitales Fasten. Ist das Soziale-Medien-Dilemma eine Illusion?

10. Juni 2021 Aus Von Kathrin Jerjomenko
Mein digitales Ich und Ich.

Als ich 16 war, fing es mit MySpace und StudiVZ an. Eine spannende neue Welt im großen weiten Internet, in der man so viel entdecken konnte. In der man eine neue Chance bekam „cool“ zu sein. Die große digitale Vernetzung bot mir seitdem eine gänzlich neue Möglichkeit, um ein prickelndes Leben zu führen, eines voller Aufmerksamkeit und Erlebnisse, digitaler Liebe, die vielleicht das echte, traurige, öde Leben so nicht erfüllen konnte. Nun weiß ich, ich habe es mir einfach nicht erlaubt, ein echtes tiefes Leben zu führen. Das Erstellen von digitalen Profilen innerhalb eines wertenden Algorithmus, die digitale Identität in Form eines in Bildern, Texten, Beiträgen und Designs dargebotenen Klons – oder Clowns? – meines Selbst war lange nicht von der eigenen Bühne des Lebens wegzudenken, weil es … und das durfte ich nun heute nach Jahren der Reflexion erkennen, vor allem auch eine SUCHT ist. Die Suche nach Tiefe.

Kennst du schon FOMO?

Nein, das ist keine neue App… sondern… eine Sucht. Und diese nutzen (vielleicht unbewusst) Unternehmen, die ich hier nicht nennen werde, als Geldquelle: die „Fear of Missing Out“, also Angst, etwas zu verpassen.

Emotion, Connection & Fear of Missing Out SELLS!

Meine jahrelange Suche nach Anerkennung identifizierte ich bis vor fünf Jahren vor allem über meine Aktivitäten auf Social Media. Der permanente Vergleich mit den anderen, den „coolen“, das permanente Überangebot mit Veranstaltungen, Events, der äußere Zwang auf Social Media „sichtbar“ zu sein, das weiß ich nun: zerfraß mich innerlich. Ich rannte vor allem in meiner Zeit in Berlin von einem Ort zum anderen, verlor wertvolle Energie an Orten, die ich eigentlich gar nicht besuchen wollte, kommunizierte und traf mich mit Menschen, die ich nicht ablehnen wollte, nur um dazuzugehören. Nur um nicht „allein zu sterben“, in der Einsamkeit des echten Lebens daheim in den einsamen vier Wänden, in der ich mit meiner Bulimie und manischen Depression allein war. Ob in der Schule, in der Uni, im Büro. Überall lag mein digitales Ich auf dem Tisch und erinnerte mich daran, dass ich vor allem eines angeblich brauchte: Aufmerksamkeit im Außen, Produkte, die ich nicht brauche, Instant-Aufmerksamkeit für die beste Pose aus einer zehnfachen Foto-Reihe. 

Echte soziale Verbindungen und Liebe statt Aufmerksamkeit

Das soziale Dilemma ist groß, so zeigt auch der Film „The Social Dilemma“. Meine ganz persönliche Reflexion: Raus aus der Angst vor Fehlern. Das Leben besteht aus Kehrseiten. Ich vertrete die Position, nicht mehr Angst zu verbreiten, sondern Bewusstsein über ethisches Verhalten in den sozialen Medien zu schaffen. Bezahle diese Dienste und der emotionale Spuk der Trennung und Massenbeeinflussung hört auf. Es ist sofort möglich. Bewusstsein ist ein wundersames Gebiet, das auf Erfahrung und Lernen beruht. Mach die Erfahrung, lerne daraus, reflektiere und wachse. Mach dir bewusst: Wir brauchen soziale Verbindung, das Kollektiv, die Familie. Wir brauchen Liebe, um glücklich zu sein. Wir brauchen Dankbarkeit, um zu sehen, was wir alles in unserem Leben haben, dass wir gesund sind und LEBEN.

Dankbarkeit für meinen Körper, meine Erfolge und meine Verbindungen ließ mich echte Kreativität und tiefe Lebendigkeit in meinem Leben erfahren. Nicht Likes, Follower oder digitale Freunde. Zwei Dinge im Leben braucht man, wenige und gute: Freunde und Bücher. Als ich dies erkannte, hörten viele meiner Schmerzen und Krankheiten urplötzlich auf und ich begann wirklich aktiv mein Leben in die Richtung zu verändern, die mich glücklich machte. Es ist wie ein riesiges Erwachen aus einer Welt der ILLUSION: Die Befreiung aus dem Dilemma, ein Profil sein zu müssen, nur um anderen zu gefallen. 

Digitales Fasten für mehr Klarheit, was uns wirklich glücklich macht

Als Corona kam, vollzog sich der Shift komplett. So viele gerieten in hektische Panik, dass man nun radikal Social Media Marketing betreiben müsste, um zu überleben. Sichtbar sein. Das Thema Achtsamkeit in einem digitalen Business ist somit für mich ein täglich präsentes Thema, das ich aktiv lehre, um es selbst zu erhalten. Es erfordert klare Entscheidungen, Selbstliebe, Disziplin, Fokus auf das eigene Ziel und vor allem die Bewusstheit darüber, dass Einsamkeit das Gefühl der Einsamkeit heilt. Nur so schafft man sich wieder Raum für wahre, tiefe Verbindungen im echten Leben. Ich stellte mein Handy auf unbestimmte Zeit auf lautlos, deaktivierte alle Benachrichtigungen, klärte meine Handy-Oberfläche, stellte Nutz-Zeiten ein und nutze nun vor allem meinen papierhaften Kalender. 

Anfang Februar begann ich mein digitales Fasten und habe mich bis auf meine direkte Onlinearbeit so gut es ging aus der digitalen Welt zurückgezogen. Vorher hatte ich noch einen Insta-Post geschrieben, in dem ich mein zerrissenes Gefühl offen mitteilte, weshalb ich mir eine Offline-Zeit nahm. Die Reaktionen habe ich nur am Rande mitbekommen, aber sie waren sehr ergreifend: „Schade.“ Ziel erreicht. Ich entschied mich von nun an, die sozialen Medien nur noch für mein Business als Coach, Autorin und Künstlerin zu nutzen. Ohne bezahlte Werbung, denn der Entschluss ist bisher noch klar: ich zahle nicht in ein krankmachendes System ein. Privat befreie ich mich von den digitalen Ketten. Und es geht: es gibt Offline-Businesses, die mit Empfehlungs-Marketing Gewinne erzielen. Es bleibt spannend.

https://soundcloud.com/kathrinjerjomenko_emocean/i-found-my-love-acoustic

Es ist nun ein festes Ritual mindestens 3 Tage, ideal eine Woche und länger im Monat mein digitales Fasten wieder aufzunehmen. Ich fühle mich in dieser Zeit so frei, sorglos, bei mir, so lebendig. Ich stelle mir die Frage, ob ich es überhaupt noch für mich selbst brauche, um mich in der Welt mitzuteilen? Die Frage wird sich sicherlich bald beantworten. Bis dahin genieße ich ein freieres Leben.

Und die Moral von der Geschicht’: Ich werde nun ohne sozialen Druck und Zwang einzigartige Momente vor allem an einem Ort abspeichern: in meinem Herzen. 

Wie geht ihr damit um? Legt ihr ab und an eine digitale Auszeit ein? Schreibt es in die Kommentare!

Baci Baci, und bis zum nächsten Free-Treat. 

Deine Kathrin

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